Die Bürger wollen das!

Die Bürgerinnen und Bürger wollen keinen Klimaschutz. 

Wie oft haben Sie diesen Satz schon aus der Politik gehört? 

Dabei stellt sich heraus: Der Satz ist falsch. 
Das zeigt eine gemeinsame Studie dreier Universitäten, veröffentlicht im Nature-Journal Communications Earth & Environment.

Spoiler: Die Bereitschaft der Bevölkerung FÜR Klimaschutzmaßnahmen wird über alle politischen Ebenen und Parteien hinweg von den befragten Politikern kräftig unterschätzt.

🌳 Was die Studie untersucht hat

Ein Forschungsteam der Unis Hamburg, Bochum und Lüneburg ist einer einfachen Frage nachgegangen: Schätzen Politiker die Zustimmung der Bevölkerung zum Klimaschutz richtig ein – oder liegen sie daneben?

Dafür wurden über 6.000 deutsche Politiker aller Ebenen (Bundestag, Landtage, Gemeinderäte) angeschrieben. Zurück kamen knapp 1600 Antworten aus allen großen Parteien.

Deren Einschätzungen wurden mit zwei repräsentativen Bevölkerungsbefragungen verglichen. Konkret ging es um vier Bereiche:

  • das Problembewusstsein für den Klimawandel
  • Akzeptanz von Informationskampagnen, Steuern und Gesetzen/Regulierungen zum Klimaschutz
  • den Wunsch nach staatlicher Unterstützung bei klimafreundlichem Verhalten
  • die Bereitschaft, 1 Prozent des eigenen Einkommens für Klimaschutz zu geben

🌳 Je wirksamer die Klimaschutz-Maßnahme, desto größer der Irrtum der Politiker

Bei reinen Informationskampagnen lagen die Politiker noch einigermaßen richtig. Jedoch bei den Instrumenten, die die Klimaforschung als besonders wirksam einstuft – verbindliche Gesetze und Steuern – wichen die Einschätzungen der Politiker am stärksten von der Realität ab, und zwar gewaltig.

Das eigentliche Hindernis für mehr Klimaschutz ist demnach nicht der fehlende Rückhalt in der Bevölkerung.  Es ist der Irrglaube der Politik, dass dieser Rückhalt nicht oder nur unzureichend vorhanden sei.

Am deutlichsten zeigt sich das bei der Bereitschaft, finanziell beizutragen: Die befragten Politiker vermuteten, dass nur rund 18 Prozent der Bevölkerung bereit wären, 1 Prozent ihres Einkommens für den Klimaschutz zu investieren. Tatsächlich sind es 47 Prozent – mehr als doppelt so viele, wie angenommen.

Im Kontext unseres Bürgerbegehrens betrachtet: Genau dieses Zerrbild erleben wir gerade ganz lokal bei unserem Bürgerbegehren: Von Teilen der Politik hören wir, die Bürger wollten keine Baumschutzsatzung und Eigentümer schon gar nicht. Unsere mittlerweile zahllosen eigenen Gespräche auf der Straße zeichnen ein anderes Bild – hohe Zustimmung, auch wenn sie mit eigenen Einschränkungen verbunden ist.

🌳 Fazit

Wenn Politikerinnen oder Politiker behaupten, „die Bürger“ wollten diese oder jene Klimaschutzmaßnahme nicht, dann ist es möglich, dass sie einem Wahrnehmungsfehler auf den Leim gehen – oder sich bewusst eines Arguments bedienen, das sich empirisch nicht halten lässt.

Wie belastbar übrigens die Zustimmung zu Klimaschutzmaßnahmen selbst in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist, zeigt der ARD-DeutschlandTrend vom Juli 2026.
Die Umfrage stellte die Frage: „Sollte der Klimaschutz angesichts der aktuellen Krisen und Herausforderungen im politischen Handeln vorübergehend hintenanstehen?“
Insgesamt sagen 58 Prozent Nein – Klimaschutz soll nicht zurückstehen – und nur 36 Prozent stimmen einer Zurückstufung zu.

Diese Haltung zeigt sich als mehrheitsfähig über nahezu alle Parteien:

ParteiKlimaschutz soll nicht zurückstehenKlimaschutz soll zurückstehen
Grüne90 %9 %
Linke86 %12 %
SPD74 %20 %
CDU/CSU62 %33 %
AfD22 %71 %

Mit einer Ausnahme also sprechen sich die Anhänger aller großen Parteien deutlich mehrheitlich gegen eine Zurückstufung des Klimaschutzes aus.

Das deckt sich mit dem Befund der Nature-Studie: Die mutmaßliche „Klimaschutzmüdigkeit“ (der Bevölkerung), die in der Politik häufig propagiert wird, wird schon durch die eigenen Parteiangehörigen widerlegt.

Eigentlich schön – die Bevölkerung sowieso, aber selbst die Anhänger aller Parteien sind dem Klimaschutz aufgeschlossener, als der politische Diskurs vermuten ließe. Helfen Sie mit, den Politikern die Augen zu öffnen und unterschreiben Sie das Bürgerbegehren. Sichtbarer kann man seinen Willen nicht ausdrücken. ☺️

(jw)

📄 Quellen: 

  • Sevincer, A. T., Hostlowsky, L., Styhler, F. & Hofmann, W.: Public support for climate action is underestimated in the German political domain, Communications Earth & Environment 7, 543 (2026). Zur Studie


Ein Kommentar zu „Die Bürger wollen das!“

  1. Avatar von Barbara Hülskemper
    Barbara Hülskemper

    Vielen Dank für die studienbasierten und aktuellen Aussagen. Diese sagen für mich viel mehr aus als einzelne „Behauptungen“ und persönliche Eindrücke. Mich beruhigt die Aufgeschlossenheit für den Klimaschutz -zumindest ein wenig. Zudem freut es mich sehr, dass es soooo viele Unterschriften für das Bürgerbegehren Koblenzer Baumschutzsatzung gibt. Herzlichen Dank für diese Initiative.

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